Vorwort
Dieses Buch handelt vom IT-Recht. «IT» ist allgegenwärtig. Informationstechnologie oder auch Information and Communications Technologies – «ICT». Es sind bekannte Begriffe.
Dem IT-Recht liegt das Informationsrecht zu Grunde. Nur: Was ist Information? Obwohl wir im Informationszeitalter leben und den Informationsbegriff täglich verwenden, ist das Recht erstaunlich unklar in Bezug auf die Frage, wie «Information» rechtlich zu fassen ist. Die Begriffsgrenzen sind nicht abschliessend geklärt.
Der amerikanische Physiker John A. Wheeler bezeichnete Information als «the It from the Bit». Information vermittelt Bedeutung.
Keine Information ohne Informationsträger: ein Stück Papier, eine Steintafel, ein Mobiltelefon oder Klang. Es braucht die Physik, damit Information «sein» kann.
Information ist nur bestimmt, wenn sie in Form gebracht wurde. Die «In-Form-Bringung» taucht im Begriff nicht nur zufällig auf. Ein Vortrag ist erst dann «informativ», wenn er eine Grenze zieht, die zuvor nicht da war. Abgrenzbarkeit kennen wir als Erfordernis auch aus dem Sachenrecht, allerdings bezieht sich der Begriff dort rein auf die Physik.
Form, die durch Materie getragen ist, gibt Bedeutung. An alle drei Ebenen – nach einer Theorie von Lessig und Benkler: Content Layer, Code Layer und Physical Layer – knüpft das Informationsrecht an. Das Informationsrecht regelt, wie Information entsteht, gespeichert, genutzt, geschützt und weitergegeben wird.
Warum ist dies wichtig? IT- und Informationsrecht sind heute erfolgskritisch. Boden, Kapital und die menschliche Arbeitskraft sind «klassische» Produktionsfaktoren. Aber Daten und Rechenleistung werden faktisch zu neuen Produktionsfaktoren. Es zeigt sich, dass Daten und IT die menschliche Arbeitskraft veredeln und sie effizienzsteigernd verwenden lassen.
Genauso wie funktionierende Märkte einen friktionsarmen Zugang zu Kapital verlangen, entscheidet künftig der barrierefreie, rechtssichere Zugang zu Daten und Zugang zu Rechenleistung über die Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere bei KI. Rechtliche Transaktionskosten zu minimieren und rechtliche Rahmenbedingungen zielgerichtet zu gestalten, macht das IT- und Informationsrecht zu einer Schlüsseldisziplin.
Ein klassisches Lehrbuch würde den Stoff nach Rechtsgebieten ordnen. Es würde mit dem Datenschutzrecht beginnen, danach das Urheberrecht, das Vertragsrecht und weitere Rechtsgebiete behandeln. Für Juristinnen und Juristen ist das sinnvoll. Für die Praxis greift dieser Zugang oft zu kurz.
Wer ein KI-System einführt, eine Cloud-Migration plant oder Open-Source-Software einsetzen will, beginnt nicht mit einem Rechtsgebiet. Am Anfang steht eine technische oder wirtschaftliche Aufgabe. Erst danach stellt sich die Rechtsfrage.
Dieses Buch folgt deshalb der Technik. Es greift die Phänomene so auf, wie sie im Alltag auftreten. Zuerst erklärt es, worum es technisch geht. Danach ordnet es die rechtlichen Fragen ein und zeigt die Folgen für die Praxis. Der Rechtsstoff bleibt derselbe. Der Zugang ist ein anderer. Informationsrecht durchdringt den Alltag.
Die Technik entwickelt sich rasch voran. Dieses Buch erörtert anhand von Beispielen, was das IT-Recht ausmacht. Vollständigkeit kann kein Ziel sein. Dieses Buch muss Themen auslassen. Der Kern soll erkennbar sein, nicht der gesamte Rechtsbereich.
Zürich, Oktober 2026 Christian Laux